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Steuern / Einkommensteuer 
Freitag, 15.03.2019

Zweitausbildung oder mehraktige Berufsausbildung?

Verlangt eine Prüfungsordnung für die Prüfungszulassung eine mehrjährige Tätigkeit in einem bestimmten Beruf, steht dies der Annahme einer mehraktigen Berufsausbildung regelmäßig schon deshalb entgegen, weil die für die Qualifizierung geforderte Berufstätigkeit für sich genommen keinerlei Ausbildungscharakter hat. Es handelt sich vielmehr um den klassischen Fall einer Fortbildung in einem bereits erlernten Beruf. So das Finanzgericht Düsseldorf (Az. 10 K 2977/17).

Die Tochter eines klagenden Vaters absolvierte von August 2011 bis Juni 2014 eine Ausbildung als Steuerfachangestellte. Anschließend war sie durchgehend bei verschiedenen Arbeitgebern als Steuerfachangestellte nichtselbständig tätig. Ab August 2016 nahm sie an einem “Teilzeit-Lehrgang Steuerfachwirt-Prüfung” teil, der bis Februar 2018 dauern sollte. Im März 2017 stellte der Kläger einen Antrag auf Kindergeld für sein Kind. Er gab dabei an, dass sein Kind das Berufsziel “Steuerfachwirt” habe, es dieses Ziel noch nicht erreicht habe und die Berufsausbildung deshalb noch nicht abgeschlossen sei. Wegen dieses Berufswunschs sei die ab Juni 2014 ausgeübte Vollzeitbeschäftigung nicht nur zur Erbringung bezahlter Arbeitsleistungen erfolgt, sondern zur Erlangung der für den Abschluss der Berufsausbildung erforderlichen Qualifikation. Zudem setze die Steuerberaterkammer für das Ansammeln der dreijährigen Berufserfahrung eine Vollzeitbeschäftigung voraus. Die Familienkasse lehnte den Antrag auf Kindergeld ab Juli 2014 ab. Ein Anspruch auf Kindergeld bestehe nicht, da die Tochter bereits eine erstmalige Berufsausbildung abgeschlossen habe und einer Erwerbstätigkeit von mehr als 20 Wochenstunden nachgehe.

Die Klage des Vaters hatte keinen Erfolg. In der Zeit von Juli 2014 bis mindestens Dezember 2015 fehle es bereits an einem Berücksichtigungstatbestand. Denn die Tochter ging in dieser Zeit lediglich einer Vollzeittätigkeit als Steuerfachangestellte nach, die für sich genommen keinen Ausbildungscharakter habe. Für die folgende Zeit komme auch kein Anspruch auf Kindergeld in Frage, da die Tochter ihre Erstausbildung schon im Juni 2014 abgeschlossen hatte und anschließend – und zwar insbesondere auch im Zeitraum Januar 2016 bis Oktober 2017 – eine Vollzeittätigkeit ausübte. Sie habe unmittelbar nach Abschluss der Steuerfachangestelltenprüfung keine weiteren Ausbildungsmaßnahmen ergriffen, vielmehr für einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren eine reguläre Erwerbstätigkeit ohne Ausbildungscharakter ausgeübt und erst im August 2016 mit dem nächsten Ausbildungsabschnitt begonnen. Aufgrund der erheblichen zeitlichen Zäsur zwischen den Ausbildungsabschnitten liege keine mehraktige Ausbildung vor, sondern vielmehr stellte die Ausbildung zur Steuerfachangestellten bereits eine abgeschlossene erstmalige Ausbildung dar.

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